Raoul Schrott liest am 10.10.2019 beim Kunstverein Schmallenberg


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Am Donnerstag, dem 10.10.2019, wird der österreichische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Raoul Schrott Gast des Kunstvereins Stadt Schmallenberg sein. Die Lesung findet um 20.00 Uhr im Valentinssaal des Hotels Störmann statt.

Raoul Schrott, geb. 1964, studierte Germanistik, Anglistik und Amerikanistik an der Universität Innsbruck. Nach Studienaufenthalten an der University of East Anglia in Norwich, der Sorbonne in Paris sowie der Technischen und der Freien Universität in Berlin und seiner Dissertation an der Universität in Innsbruck war er von 1990 bis 1993 Lektor für Germanistik am Istituto Orientale in Neapel, 1996 habilitierte er sich an der Universität Innsbruck. Seine Veröffentlichungen erscheinen seit 1988, Prosabände, Übersetzungen, Lyrik, aber auch Hörspiele und Filme. Ein Höhepunkt seines Schaffens ist das 2016 erschienene Buch „Erste Erde“, der, wie es in einer Kritik hieß, „heimliche Höhepunkt des Literaturjahres 2016“. Seit 2010 hatte er an diesem mehr als 800 Seiten starken Werk gearbeitet, gefördert durch die Kulturstiftung der Bundesrepublik Deutschland.

In Schmallenberg wird er aus seinem am 19.08.2019 erschienenen Buch „Eine Geschichte des Windes“ lesen, das den Untertitel trägt „Von dem deutschen Kanonier, der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal“.

500 Jahre ist es her, dass der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan sich im Auftrage der spanischen Krone auf die Reise machte, um herauszufinden, ob die Inselgruppe der Molukken auch über die Westroute zu erreichen sei und damit zum spanischen Herrschaftsbereich gehöre. Es ist ein Kampf um Gewürze, den auf den Molukken gibt es Gewürznelke, Muskatnüsse und andere Gewürze, die damals wertvoller als Gold waren. Magellan entdeckt auf dieser Reise die nach ihm benannte Meerenge zwischen dem südamerikanischen Festland und Feuerland und liefert so den endgültigen Beweis, dass die Erde eine Kugel ist, kommt aber in Südostasien bei einem Gefecht mit Einheimischen ums Leben. Von den fünf Schiffen, mit denen er ausgefahren war, kommt drei Jahre später nur eines in den Heimathafen zurück, von 265 Seeleuten überleben nur 18, darunter der Ich-Erzähler Hannes aus Aachen, „Juan Aleman“ genannt, gelernter Geschützmeister, von dem man weiß, dass er noch ein zweites und sogar ein drittes Mal zur Weltumseglung aufbrach.

Raoul Schrott ist dieser Nebenfigur der Weltgeschichte hinterher gereist und entreißt sie dem Vergessen. Schwelgerisch und voll geradezu fühlbarer Details, an barocke Schelmenromane und Seefahrerberichte der frühen Neuzeit erinnernd, schenkt er seinem Helden ein pralles Leben.

Der Ich-Erzähler überlebt schlimmste Stürme und ätzende Flauten, lässt Hungerleiden und Skorbut hinter sich, übersteht Meutereien und auch die Brutalität der europäischen Eroberer. Es ist verkehrte Welt: Während vom Helden nichts übrig bleibt als ein paar abgenagte Knochen, kommt der einfältige Abenteurer Hannes, dessen Welt bis dahin in eine Westentasche passte, mit einem blauen Auge davon.